Fachtag für Pflegeeltern am 21.01.2012

„Sind Sie Pflegeeltern geworden, weil das Leben Ihnen nicht genug Aufregung geboten hat?“

Diese provokante Frage stellte der Referent Professor August Huber den rund 80 Pflegeeltern aus Oberfranken und der Oberpfalz, die den Fachtag für Pflegeeltern im Jean-Paul-Verein Bayreuth e. V. besuchten.

Huber brachte neben fundierten Fachkenntnissen aus seiner Tätigkeit an der Hochschule Stuttgart auch eigene langjährige Erfahrungen als Pflegevater mit. Er ist auch Initiator der Pflegeelternschule Baden-Württemberg e.V.

Pflegekinder sind emotional zwischen Pflegefamilie und Herkunftsfamilie hin- und hergerissen. Das Leben in der Pflegefamilie bedeutet für sie Alltag. Dort können sie meist zum ersten Mal in ihrem Leben verlässliche Bindungen aufbauen. Die Kinder erleben durch die Pflegeeltern Schutz und Zuwendung. Dem gegenüber stehen die leiblichen Eltern, die das Kind nicht mehr zuverlässig versorgen konnten. Dennoch steht ihnen das Recht zu, ihr Kind regelmäßig zu sehen. Diese Situation bedeutet für die Pflegeeltern ein ständiges Spannungsfeld von Kritik und Anerkennung. Sie stehen mit ihrer Tätigkeit in der Öffentlichkeit zwischen Jugendamt, Familiengericht und den Herkunftsfamilien.

Vor diesem Hintergrund stellte Huber die Frage, wie viel Herkunftsfamilie ein Pflegekind braucht. Dabei gilt die Maxime: „Nicht die Quantität, sondern die Qualität der Umgangskontakte mit der Herkunftsfamilie ist wichtig.“ Anhand zahlreicher Beispiele zeigte Huber auf, dass für die Kinder der Kontakt mit den leiblichen Eltern ein hochsensibles Thema ist. Sowohl Wissenschaft als auch die pädagogische Praxis haben sich bisher wenig damit beschäftigt. Als Professor für Pädagogik und Pflegevater hat Huber beobachtet, dass die Eltern oft nicht wissen, was sie während der Kontaktzeit mit ihren Kindern machen sollen. Deshalb sollte diese Zeit von den Pflegeeltern pädagogisch sinnvoll vorbereitet und gestaltet werden, um eine gute Entwicklung der Kinder nicht zu beeinträchtigen. Aus Sicht von Huber bleibt der Kontakt mit den leiblichen Eltern immer eine schwierige Aufgabe für die Pflegeeltern.

Im letzten Teil des Fachtages forderte Huber alle Anwesenden auf, Kraftquellen für sich selbst zu finden, die Paar- und Elternbeziehung zu pflegen und auch berechtigt Entlastung und Erholung einzuplanen. Nur dann können die Kinder auf Dauer von der Ersatzfamilie profitieren. „Sternstunden der Pädagogik“ und größte Kraftquelle sind dann die Momente, wenn das Pflegekind sich seines Lebens erfreut.

Huber formulierte zusammenfassend, dass die Pflegeeltern mit ihrem Engagement für die Gesellschaft eine sehr wichtige Aufgabe übernehmen. Kinder in Not erhalten eine neue Chance für ihr Leben, und Pflegekinder werden deutlich weniger strafffällig als andere Kinder.

Wir suchen immer Familien und Alleinerziehende, die sich vorstellen können ein Pflegekind bei sich aufzunehmen. Entweder auf Dauer oder vorübergehend als Bereitschaftspflege.

Für mehr Informationen melden Sie sich einfach unter s.rochholz(at)jpv-bayreuth(dot)de, Tel. 0921 / 757 23-318.

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„Sind Sie Pflegeeltern geworden, weil das Leben Ihnen nicht genug Aufregung geboten hat?“

 

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